Die wichtigsten Gefäßerkrankungen:

In Österreich – wie in allen hoch entwickelten Ländern – stehen Gefäßerkrankungen an erster Stelle der Todesursachen – noch vor dem Krebs. Die wichtigsten Gefäßerkrankungen sind:


1. Periphere arterielle Verschlusskrankheit (abgekürzt PAVK):


Wenn immer wiederkehrende Beinschmerzen zu häufigem Stehen bleiben zwingen - wie beim Schaufensterbummel - spricht man von der 'Schaufensterkrankheit'. Sie wird durch Durchblutungsstörungen der Beinarterien hervorgerufen und heißt medizinisch „periphere arterielle Verschlusskrankheit“ (kurz PAVK). Die Verengungen der Beinarterien führen zu Durchblutungsstörungen in den Beinen und zwingen die Betroffenen zu Gehpausen.

•  Wird durch Durchblutungsstörungen der Beinarterien hervorgerufen
•  Chronische, fortschreitende Erkrankung, häufig mit anderen Krankheiten (Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße oder hirnversorgenden Gefäße) gekoppelt
•  Starkes Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall, da zu 90 Prozent auch die Herzkranzarterien und zu 70 Prozent die Halsschlagadern betroffen sind
•  Raucherbein: fortgeschrittene PAVK

Diese Erkrankung ist trotz ihres harmlosen Namens sehr ernst und tritt häufig auf. Etwa jeder Zehnte leidet ab dem 55. Lebensjahr an Verengungen der Arterien im Bereich der Becken- und Beinregion. Die PAVK ist zwar keine typische Alterserkrankung, aber sie ist im Alter häufiger. Bei den über 65-jährigen sind etwa 20 Prozent betroffen, und in der Altersgruppe 80 Jahre und darüber sind es immerhin schon mehr als ein Drittel.

Für Österreich gehen Experten von mindestens 300.000 Erkrankten aus. In einer in Österreich im Jahre 2003 durch niedergelassene Internisten durchgeführten Untersuchung bei 2.056 Risikopatienten konnte mittels einer einfach durchführbaren Ultraschall-Untersuchung das Vorliegen einer PAVK bei 44 Prozent (!) festgestellt werden. Dabei bestand kein Unterschied zwischen Männern und Frauen. Insbesondere Raucher, Diabetiker und Menschen mit erhöhten Blutfettwerten und erhöhtem Blutdruck sind gefährdet.

Es handelt sich um eine chronische, fortschreitende Erkrankung, die häufig mit anderen Krankheiten wie z.B. Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße oder der hirnversorgenden Gefäße gekoppelt ist. Tatsächlich sind bei der PAVK im fortgeschrittenen Stadium zu 90 Prozent auch die Herzkranzarterien und zu 70 Prozent auch die Halsschlagadern betroffen. Das bedeutet: bei der PAVK besteht ein stark erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Es konnte in mehreren großen epidemiologischen Studien klar gezeigt werden, dass das Vorliegen einer PAVK für den Patienten mit einer verminderten Lebenserwartung verbunden ist. Eine Faustregel besagt, dass der Patient mit peripherer Durchblutungsstörung etwa zehn Jahre früher stirbt als eine gleichaltrige Person ohne PAVK.

Das so genannte „Raucherbein“ bezeichnet eine bereits fortgeschrittene PAVK. Je früher die Schaufensterkrankheit erkannt wird und je früher Risikofaktoren ausgeschaltet werden, desto eher kann ein Fortschreiten gestoppt werden.

Wie entsteht die PAVK?

Häufigste Ursachen:
•  Genetische Faktoren („familiäre Belastung“) definieren definieren ein Basisrisiko, welches unter
  dem Einfluss von weiteren Risikofaktoren letztlich das individuelle Risiko einer Person für atherosklerotische Gefäßerkrankungen bedingt. Mit "Atherosklerose" (= Arteriosklerose, umgangssprachlich auch Arterienverkalkung genannt), bezeichnet man einen meist langsam verlaufenden Prozess, der zu charakteristischen Veränderungen der Blutgefäße führt. Dabei lagern sich Fett und Kalk in zunehmendem Maß in den Gefäßwänden ab. Die Wände der Gefäße verdicken sich, diese verlieren an Elastizität und ihr Durchmesser wird immer enger. Jährlich sterben in Europa mehr Menschen an den Folgen der Atherosklerose als an Krebserkrankungen.
•  Bluthochdruck
•  Hohes Cholesterin
•  Zuckerkrankheit
•  Lebensstil (Rauchen, Bewegungsmangel, Ernährung)

Was diese Erkrankung so gefährlich macht, ist die Tatsache, dass sie praktisch den ganzen Körper betrifft. Die Atherosklerose spielt sich nämlich in sämtlichen Gefäßen des Organismus mehr oder weniger stark ausgeprägt altersabhängig ab. Fast alle Menschen sind davon betroffen. Atherosklerose beginnt sozusagen vom ersten Lebenstag an. Wie ausgeprägt sie wird, hängt neben der genetischen Veranlagung in erster Linie vom Lebensstil, der Ernährung und von Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, hohem Cholesterin und Zuckerkrankheit ab.

Zur Verbesserung der Lebensprognose ist daher die Beeinflussung der Grunderkrankung Atherosklerose durch frühzeitige Beeinflussung der vorliegenden Risikofaktoren – durch „Lebensstil-Modifikation“ und durch medikamentöse Maßnahmen – ein vorrangiges Therapieziel.

Behandlungskosten und Lebensqualität bei Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit:

Eine rezente Untersuchung aus Deutschland hat gezeigt, dass die Behandlung von PAVK-Patienten sehr kostenintensiv ist und die Patienten unter erheblichen Lebensqualitätseinbußen zu leiden haben. So lagen die Kosten – in Abhängigkeit vom Schweregrad der Durchblutungsstörung – zwischen etwa 1.800,- Euro und 6.200,- Euro jährlich. Die Kosten der stationären Behandlung dominierten mit durchschnittlich 44,4 Prozent der direkten Kosten das Gesamtergebnis. Die Kosten für Medikamente waren mit 33,4 Prozent beteiligt. Weitere Kostenfaktoren waren die ambulante ärztliche Behandlung mit 9,9 Prozent, die Aufwendungen für die Pflege mit 6,7 Prozent, die Rehabilitation mit 3,6 Prozent und Hilfsmittel mit einem Anteil von 1,9 Prozent. Die Lebensqualität war in allen Stadien der PAVK deutlich eingeschränkt.


2. Krampfadern (Varizen)


Chronische Venenkrankheiten gehören zu den häufigsten Krankheitsbildern in der Bevölkerung. Aufgrund ihrer Häufigkeit verursachen diese erhebliche Kosten und sind somit von großer sozioökonomischer Relevanz. Bei den Krampfadern gibt es verschiedene Ausprägungsformen. Diese reichen von zarten blauen – in der Haut gelegenen – Äderchen (Besenreiser) bis zu dicken, strangförmigen, teilweise über dem Hautniveau liegenden Krampfadern (sogenannte Stammvarizen). Die verschiedenen Formen von Krampfadern betreffen rund 60 Prozent der Bevölkerung, Männer genauso häufig wie Frauen.

Eine Stammvarikose findet sich bei etwa 15 Prozent und eine eigentliche Krampfadern-Erkrankung, die zu schweren Hautveränderungen bis zum offenen Bein führt, bei etwa drei Prozent. Besenreiser verursachen meist keine Beschwerden, stellen aber vor allem für Frauen ein kosmetisches Problem dar. Daher werden in weiten Bevölkerungskreisen Krampfadern oft lediglich als ästhetisches Problem gesehen. Bei echten Krampfadern ist eine Therapie nicht nur aus kosmetischen Gründen angeraten. Unbehandelt drohen auf lange Sicht Entzündungen, Ekzeme und bei der schwersten Form sogar Beingeschwüre. Daher sollte man sich bei den ersten Alarmzeichen von einem Facharzt untersuchen lassen.

Kosten bei Venenerkrankungen:
In der Bundesrepublik Deutschland werden die Kosten pro Jahr wegen Venenleiden auf etwa 1 Mrd. Euro geschätzt.


3. Venenthrombose

Unter einer Thrombose versteht man den Verschluss eines Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel (Thrombus). Am häufigsten sind die tiefen Bein- und Beckenvenen betroffen. Meist entsteht eine Thrombose im Bereich kleiner Venen der Wadenmuskulatur und wächst von dort weiter in die größeren Venen.

Entsteht ein Blutgerinnsel in einer oberflächlichen Vene, so bezeichnet man dies als Venenentzündung. Während letztere meist ungefährlich ist, besteht bei einer Thrombose im tiefen Venensystem das Risiko des Loslösens des Gerinnsels, wobei dieses dann mit dem Blutstrom durch das Herz in die Lungenarterien gelangt und diese verstopft. Dies bezeichnet man als Lungenembolie, welche ein lebensgefährliches Krankheitsbild darstellt.

Jährlich erkranken etwa zwei von 1000 Personen neu an einer Thrombose. In jüngeren Jahren sind Frauen häufiger betroffen als Männer, während sich mit zunehmendem Lebensalter dieser Geschlechtsunterschied aufhebt. Rund ein Drittel der Betroffenen bekommt innerhalb von acht Jahren erneut eine Thrombose, wobei dieses Risiko einer wieder auftretenden Thrombose bei Männern deutlich höher ist.

Wie entsteht eine Thrombose?
Normalerweise befinden sich im Blut jene Mechanismen, die es flüssig halten und jene, die zu einer Blutgerinnung führen, im Gleichgewicht. Die Gefäßwand der Venen besitzt Eigenschaften, die der Entstehung einer Thrombose entgegen wirken. Im Blut befinden sich Faktoren, die bei einer Wunde die Blutgerinnung in Gang setzen. Eine Thrombose entsteht dann, wenn zwischen diesen fördernden und hemmenden Faktoren ein Ungleichgewicht entsteht. Veränderungen in der Zusammensetzung des Blutes können dazu führen, dass sich die Gerinnungsbereitschaft erhöht und eine Thrombose entsteht. Diese Thromboseneigung nennt man Thrombophilie. Eine erhöhte Thromboseneigung kann zum Beispiel in Zusammenhang mit einer Infektion auftreten.

Typisch ist auch eine erhöhte Thrombosebereitschaft bei Patienten mit Tumorerkrankungen. Außerdem gibt es zahlreiche erblich bedingte Störungen, welche durch eine Fehlzusammensetzung der an der Blutgerinnung beteiligten Stoffe bei der davon betroffenen Person zu einer Thrombose führen können.

Die häufigste angeborene Thrombophilie ist die sogenannte APC- Resistenz. Diese Störung findet sich bei etwa 5 Prozent in der Normalbevölkerung. Sie führt insbesondere bei Frauen, welche ein hormonelles Verhütungsmittel einnehmen, zu einem deutlich erhöhten Thromboserisiko.

Ein erhöhtes Thromboserisiko besteht auch in Zusammenhang mit länger dauernder Bettlägerigkeit und nach Operationen. Bei Frauen, welche die Pille einnehmen, ist das Risiko einer postoperativen Thrombose um das zwei- bis dreifache erhöht. Daher sollte bei geplanten Operationen die Pille einige Wochen vorher abgesetzt werden. Bei bestimmten Operationen – wie z.B. nach Einsetzen eines künstlichen Hüft- oder Kniegelenkes – würde es ohne geeignete Thromboseprophylaxe bei mehr als 50 Prozent zu einer Thrombose kommen. In der Schwangerschaft ist das absolute Thromboserisiko zwar relativ gering, aber dennoch etwa viermal höher als bei der nicht schwangeren Frau.

Sollte der Verdacht auf eine Thrombose bestehen (plötzlich spontan auftretende Schmerzen im Bein, insbesondere bei zusätzlicher Schwellung) sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, da nur bei sofortigem Therapiebeginn schwerwiegende Folgen wie z.B. eine Lungenembolie sicher vermieden werden können.




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